Saba und das Hochland Äthiopiens vor 3000 Jahre – Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts zu den Kulturkontakten Südarabiens zum nördlichen Horn von Afrika

Im frühen 1. Jt. v. Chr. führt die Migration sabäischer Bevölkerungsgruppen aus der Region um Marib im heutigen Jemen zur Formierung einer komplexen Gesellschaft am nördlichen Horn von Afrika. Diese scheint auf den ersten Blick wie aus dem Nichts zu entstehen, doch bei genauerer Betrachtung basiert diese Entwicklung aber auf einem bereits bestehenden Netzwerk älterer inner- wie ausserafrikanischer Kontakte, die weit in das 2. Jt. v. Chr. zurückreichen. Wirtschaftliche Interessen, der lukrative Handel etwa mit Gold, dem Vulkanglas Obsidian sowie Weihrauch waren vermutlich die Gründe für die Entstehung südarabischer Handelsniederlassungen auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres. Dieses Gemeinwesen umfasst ein Gebiet, das vom eritreischen Hafen Adulis bis in den Süden der äthiopischen Provinz Tigray mit 20’000–23’000 km² ein Gebiet abdeckt, das etwa der Fläche der halben Schweiz entspricht.

Weitreichende von Südarabien ausgehende soziale wie technische Innovationen prägen die etwa 300 Jahre bestehende äthio-sabäisch genannte Kultur: Zu den sozialen Veränderungen zählen z. B. die Übernahme der politischen und religiösen Institutionen der Sabäer, zu den technischen die Einführung der sabäischen Schrift und Sprache, die Umsetzung südarabischer Architekturformen sowie neue Arten und Ausdrucksformen des künstlerischen Gestaltens.

Das Kerngebiet von Saba um die Oase Marib zählt seit über 40 Jahren zu den Forschungsschwerpunkten der Aussenstelle Sanaa der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Erweitert wurden diese Arbeiten seit 2009 durch mehrere Ausgrabungsprojekte im Hochland Äthiopiens, u. a. in dem politischen und religiösen Zentrum Yeha mit seinen monumentalen Palastanlagen und Tempelbauten.

Der Vortrag gibt nicht nur einen Überblick über die südarabische Kulturlandschaft Sabas und die möglichen Gründe für die Kulturkontakte nach Afrika, sondern nimmt auch den Interaktionsprozess zwischen den nach Äthiopien eingewanderten Sabäern und der indigenen Bevölkerung in den Blick.

Iris Gerlach, Berlin

12.04.2021 – 18:30 Uhr

Hörsaal KO2-F-150 der Universität Zürich Zentrum statt (Eingang Karl-Schmid-Strasse 4)