Roseldorf. Wirtschaftliches und religiöses Zentrum der Kelten in Niederösterreich

In den letzten Jahren hat sich das Augenmerk der latènezeitlichen Siedlungsforschung von den spätlatènezeitlichen Höhensiedlungen bzw. Oppida vermehrt in Richtung mittellatènezeitlicher Großsiedlungen verlagert. Eine wesentliche Rolle bei dieser Entwicklung spielen die bemerkenswerten Ergebnisse systematischer Prospektionen und interdisziplinärer Studien über die weitgehend ungestört erhaltene keltische Zentralsiedlung von Roseldorf in Niederösterreich, die seit 1995 im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsvorhabens gewonnen wurden. Auf der Basis hervorragender Befunde und zahlreicher auch außergewöhnlicher Funde konnten wesentliche neue Erkenntnisse über die wirtschaftlichen Verhältnisse und vor allem das kultische Leben in der Siedlung gewonnen werden, die weit über die Region hinaus Bedeutung fanden. So konnten drei Kultbezirke dokumentiert werden, die sich aus insgesamt 7 Kultstätten zusammensetzen und deutlich unterschiedliche Riten aufweisen. Ihre Entdeckung war aber nicht nur aufgrund ihrer großen Anzahl und guter Erhaltung einmalig in Europa, sondern mit ihrer Auffindung gelang es erstmalig die Existenz mittellatènezeitlicher quadratischer Kultstätten auch im Bereich des östlichen Mitteleuropa eindeutig nachzuweisen.

Veronika Holzer (Wien).

04.03.2019 – 18:30 Uhr

Hörsaal KO2-F-150 der Universität Zürich Zentrum